Sister Act

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Ein himmlisches Musical-Vergnügen für Augen und Ohren auf der Hamburger Reeperbahn.

Am 2. Dezember 2010 feierte “Sister Act – ein himmlisches Musical” seine Deutschlandpremiere im Operettenhaus in Hamburg. Seitdem bringen die Musical-Nonnen mit unglaub-lichem Soul und mitreißendem Groove die heiligen Hallen am Spielbudenplatz auf Hamburgs “sündiger Meile” zum Beben.

Sister Act erzählt die Geschichte der zielstrebigen, aber nicht besonders erfolgreichen Nachtclubsängerin Deloris van Cartier. Als diese Zeugin eines Mordes wird, nimmt die Polizei sie zu ihrem eigenen Schutz in Haft und bringt sie an den einzigen Ort, der wirklich Sicherheit bieten sollte: ein Kloster! Als Nonne verkleidet findet sie schnell Fans unter ihren Mitschwestern – nur die strenge Mutter Oberin ist so gar nicht begeistert von der falschen Ordensschwester. Denn Deloris ist niemand, der einfach nur still sitzen und warten kann. Ihr Leben ist Musik, und ohne Gesang geht es nun mal nicht.

Kurzerhand gibt sie dem etwas verstimmten Chor des Klosters neuen Pep und sorgt dafür, dass statt den schwachen Nonnenstimmchen ein göttlicher Choral mit Disco-Rhythmen ertönt. Ganz nebenbei verhilft Deloris gemeinsam mit ihren Mitschwestern der baufälligen Kirche wieder zu neuem Glanz – und riskiert dabei, ihre Undercover-Tarnung zu verraten. Die Gangster nehmen die Verfolgung auf und sind ihr schon bald dicht auf der Fährte…

Die Musik zum Musical stammt von keinem geringeren als dem achtfachen Oscar-Gewinner Alan Menken, Komponist weltbekannter Songs aus Disney-Filmen wie “Aladdin”, “Die Schöne und das Biest” oder “Arielle, die Meerjungfrau”. Für Sister Act hat er unter anderem die ohrwurmverdächtigen Hits “Zeig mir den Himmel” und “Fabelhaft, Baby” geschrieben.

Whoopi Goldberg.

Das Musical ist keineswegs ein einfacher Abklatsch des gleichnamigen Films. Wie Whoopi Goldberg, Star des Filmes und Koproduzentin des Musicalerfolges es beschreibt: “Es musste etwas völlig anderes her als der Soundtrack, den man kannte, denn das hier ist nicht der Film. Sister Act ist ein bisschen erwachsener und größer geworden, genau wie es sein muss, wenn man etwas von der Leinwand auf die Bühne bringt. Bei einem guten Musical hat man einfach eine tolle Zeit, und ich glaube fest daran, dass dieses Musical das Zeug zu einem echten Hit und Dauerbrenner hat. Genau wie der Film – und um das zu schaffen, mussten wir frisch und neu sein!”

Fans des Films werden allerdings wohl die daraus bekannten Hits wie “I Will Follow Him” vermissen. Von den bekannten Stücken findet sich keines im Musical wieder. Doch die neuen Stücke von Alan Menken sind mitreißend und lassen bestimmt keine wehmütigen Erinnerungen an den Film zu.

Auch die Geschichte wurde in Teilen verändert. Sehr zum Vorteil für ehemals sympathische Randfiguren. Denn in diesem Musical unter der Regie von Carline Brouwer gibt es kein normales Ensemble mehr, das im Hintergrund singt und tanzt, sondern eine Menge in sich einzigartiger Charaktere, unter den Nonnen wie unter den Schurken. Jeder einzelne hat seine eigene Rolle, seinen eigenen Stil, seinen Rhythmus und seine besonderen Momente auf der Bühne.

Nicht zuletzt deshalb stehen in diesem Musical keine Unbekannten auf der Bühne. Der Knochen brechende Handlanger des Schurken, “Bones”, wird herrlich tapsig von Tetje Mierendorf gespielt. Den meisten dürfte er aus Film und Fernsehen bekannt sein, wie aus der Sat.1-Produktion “Mein großer, dicker, peinlicher Verlobter”, “Genial daneben” oder dem “Quatsch Comedy Club”. In der “Schillerstraße” gehört er zum festen Ensemble. Unter anderem stand er bei den Musicals “Grease” und “Hairspray” auf der Bühne.

Eine weitere Topbesetzung ist Sonya Martin als Schwester Mary Lazarus. Sie hat über 30 Jahre Bühnenerfahrung als Schauspielerin, Tänzerin, Sängerin und Kabarettistin. Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Autor und Schauspieler Heinz Klever, leitet sie seit 2009 das Berliner Volkstheater “Spandauer Theater Varianta”.

Die voluminöse, gutherzige und etwas übereifrige Schwester Mary Patrick wird von Martine de Jager verkörpert, die zuletzt in “Tanz der Vampire” als Rebecca in Oberhausen und Stuttgart auf der Bühne stand.

Zodwa Selele.

Die Hauptrolle der Deloris van Cartier vergab Whoopi Goldberg nach langem Casten persönlich an Zodwa Selele. Die in Hof geborene Südafrikanerin absolvierte zunächst eine Ausbildung als Wirtschaftskorrespondentin, bevor sie mit einem Vollstipendium an die Joop van den Ende Academy in Hamburg kam, um aus Gesang und Tanz ihre Profession zu machen. Noch während ihrer Ausbildung in der Hansestadt wurde sie für Elton Johns “Aida” als Nehebka engagiert. Nach ihrem Abschluss 2006 spielte Zodwa in Disneys “Der König der Löwen” in Hamburg als alternierende Hauptrolle die Nala. Außerdem stand sie unter anderem in den Musicals “Hairspray” und “Ray Charles” auf der Bühne.

Doch dieses Musical ist nicht nur für die Ohren, sondern auch für die Augen ein Genuss. Herausragende Arbeit steckt in den zahlreichen farbenfrohen Kostümen voll Glanz und Glamour, die mit jeder Szene prächtiger werden.

Aufwändig und imposant zeigt sich auch das Bühnenbild von Klara Zieglerova. Zu den zentralen Elementen der Show zählen zwei fast fünf Meter hohe, aus Styropor gefertigte Madonnenstatuen, die im Inneren durch eine aufwendige Stahlkonstruktion zusammengehalten werden.

Eine der beiden Statuen, die Glitter Mary, ist von Kopf bis Fuß mit unzähligen winzigen Spiegelmosaiken beklebt. Nebeneinander gelegt würden sie eine Fläche von etwa 18 Quadratmetern einnehmen. Jedes der 25.000 Mosaikplättchen wurde einzeln in Form gebrochen und aufgeklebt. Umrahmt wird die Schönheit von 108 beleuchteten Kirchenfenstern mit einzeln steuerbaren LED-Lichtkästen. Insgesamt 27.000 LEDs erhellen diese prächtigen Kirchenwände.

Ebenfalls aufwändige Handarbeit war das Design der “Biker Bar”, in die Deloris eines Abends aus dem Kloster flüchtet. Ihre Wand wurde mit über 5.000 Dollarscheinen beklebt, die natürlich nicht echt, aber extra für das Musical Sister Act angefertigt worden sind.

Das größte Gesamtkunstwerk aber ist das Bühnendesign selbst. Die Bühne des Operettenhauses hat inklusive Seitenbühnen eine Grundfläche von 560 Quadratmetern. Mehr als 36 Meter Schienen verlaufen allein auf der sichtbaren Bühne. Über 46 Lagen an Dekorationsteilen wurden mithilfe von 600 Drahtseilen im Schnürboden befestigt. Das Einhängen der Dekorationsteile im Schnürboden hat zwei Wochen gedauert. Die Drahtseile, an denen die Teile hängen, sind hintereinander gelegt fast acht Kilometer lang. Der Aufwand ist immens. Immerhin finden während der zwei Akte 28 Szenenwechsel auf der Bühne statt, und damit die reibungslos funktionieren, fahren die Kulissen und Prospekte teilweise mit einer Geschwindigkeit von einem Meter pro Sekunde.

Das komplette Ensemble von Sister Act.

Weniger extrem, aber schlicht und praktisch ist die den Besuchern zur Verfügung stehende Technik. Im Operettenhaus an der Reeperbahn können bis zu acht Rollstuhlplätze bei jeder Aufführung bequem über das Internet gebucht werden. Bei rechtzeitiger telefonischer Anmeldung können durch den Ausbau weiterer Sitze zusätzliche Stellplätze geschaffen werden.

Nicht nur die Buchung, auch der Besuch selbst gestalten sich angenehm problemlos. Der Seiteneingang links vom Operettenhaus verfügt über eine breite Rampe und eine Klingel. Eine Stunde vor Beginn der Aufführung ist diese freigeschaltet. Wer noch früher kommen möchte, muss jemanden bitten, an der Kasse Bescheid zu geben und wird dann eingelassen. Neben dem Behinderten-WC verfügen auch die anderen WCs über eine Rampe, sind allerdings schmaler und ohne Haltegriffe.

Ein Tipp, um das Gedränge an der Bar in der Pause zu vermeiden: Wenn Sie vor Beginn des Stücks bestellen und zahlen, werden Ihnen die Getränke und Snacks mit Namenskarte vom freundlichen Serviceteam an einem Tischchen bereitgestellt.

In Hamburg empfiehlt es sich meist, mit Bus und Bahn zu reisen, denn es herrscht ein Mangel an günstigen Parkmöglichkeiten. Keine 100 Meter vom Operettenhaus entfernt befindet sich die U-Bahn-Haltestelle St. Pauli der Linie 3. Der Bahnsteig ist barrierefrei über einen Aufzug erreichbar und in einem Teilbereich erhöht, der Einstieg also für Rollstuhlbenutzer niveaugleich möglich.

Alternativ zur Bahn halten die Buslinien 36, 37 und 112 sowie die Nachtbusse 607, 608, 609 und 688 ebenfalls an der Haltestelle St. Pauli. Zusätzlich gibt es am Ausgang der Haltestelle zur Glacischaussee, Ecke Millerntorplatz, ein öffentliches Behinderten-WC.

Wer dennoch mit dem Auto anreisen mag, kann Glück haben und einen der Behindertenparkplätze an der Reeperbahn ergattern, z.B. nahe der berühmten Davidwache. Auf Nummer sicher geht, wer seinen Wagen auf dem Parkplatz gegenüber dem Musicalhaus abstellt.

Alles in allem kann man “Sister Act” allen Fans fröhlicher Musicals empfehlen, die auch mal einen Scherz über die Kirche vertragen können. Besonders Freunde von Disco-Rhythmen und der entsprechenden Lebensart werden diese Show lieben. Rollstuhlfahrer sollten an diesem Abend keine Schwierigkeiten mit unnötigen Barrieren haben, sondern eine wunderschöne Zeit genießen. Ein klares “fabelhaft, Baby”!

 

Kontakt:

TUI Operettenhaus Hamburg
Spielbudenplatz 1
20359 Hamburg
Tel.: (040) 31117-0

Tickets und Infos zum Musical erhalten Sie Internet unter
www.musicals.de

oder bei der Ticket-Hotline unter
Tel.: (01805) 4444
(0,14 Euro/Minute aus dem deutschen Festnetz,
Mobil maximal 0,42 Euro/Minute)

 

Ein Bericht von Catharina Escales

Fotos: © Stage Entertainment

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